Ein Geläut aus drei Glocken

Der Glockenturm der Kirche Sainte-Libaire beherbergt drei Glocken, die mehr als zwei Jahrhunderte Geschichte umspannen. Die älteste — und bei weitem wertvollste — stammt aus dem Jahr 1770. Als Geschenk der Fürsten von Salm überstand sie Kriege und Revolutionen und ist heute im ergänzenden Inventar der klassifizierten beweglichen Denkmäler eingetragen.

Im März 1953 wurden die Glocken durch die Firma A. Didelot aus Sarrebourg elektrifiziert und erhielten dabei eine automatische Sperrstunden-Läutung um 22 Uhr.

« Ich lege mich nieder und schlafe in Frieden; denn du allein, Herr, lässt mich in Sicherheit wohnen. »
Psalm 4, 9
🏛️ Im ergänzenden Inventar der klassifizierten beweglichen Denkmäler eingetragen — Glocke von 1770

Präfekturerlass vom 20. Dezember 1996

Ausführliche Beschreibung

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Die große Glocke

1770 930 kg Ø 1,13 m Ton: Fa

Gießer: Jean-Baptiste Fourno, Glockengießer Seiner verstorbenen Majestät des Königs von Polen.

Pate: S.D.H. Mgr Louis Charles Otton de Vipucel und Ban de Salm, regierender Fürst von Salm-Salm.

Patin: S.D.H. Madame die Fürstin Josèphe de Salm-Salm.

Gesegnet von: Pfarrer Nicolas Damin.

Geschenk: der Fürsten von Salm.

J'ay ete benie par Mr Nicolas Damin pretre cure / Ad majorem dei gloriam / L'an de grace 1770 / J'ay eu pour parain T.H. T.P. T.I. prince S.A.S. / Monseigneur Louis Charles Otton de Vipucel et Ban de Salm / Prince regnant de Salm-Salm / Pour maraine S.A.S. Madame la princesse Joseph de Salm-Salm / J'ay ete faite moy et mes compagnes par Jean Baptiste Fourno / Fondeur de feu sa majeste Roy de Pologne

Ein außergewöhnliches Schicksal

Während des Ersten Weltkriegs (1917) wurden ihre beiden Begleiterinnen für die Kriegsmetallschmelze eingezogen. Die kleinste ging verloren; die andere wurde zwar wiedergefunden, musste jedoch umgegossen werden. Die große Glocke von 1770 blieb verschont — vermutlich aufgrund ihrer Verbindung mit den Fürsten von Salm und/oder ihres außergewöhnlichen historischen Wertes.

Eintragung — 20. Dezember 1996

Durch Präfekturerlass vom 20. Dezember 1996 wurde die Glocke von 1770 in das ergänzende Inventar der klassifizierten beweglichen Denkmäler eingetragen.

Glocke „Libaire"

1923 650 kg Ø 1,01 m Ton: Sol

Gegossen und gesegnet unter Pfarrer Antoine Rapp.

Je m'appelle Libaire ; j'ai ete fondue en 1923 Ernest Marchal etant maire, Antoine Rapp cure de La Broque. J'ai eu pour parrains : Georges Saint Martin, Emile Wolff, Joseph Dieudonne, Albert Humbert, Auguste Salmon, et marraines : Madeleine Saint Martin, Marie Malapert, Jeanne Remy, Marie Gabriel, Appoline Dieudonne. Messagere de Dieu j'invite a la priere et a l'esperance.

Paten: Georges Saint Martin, Émile Wolff, Joseph Dieudonné, Albert Humbert, Auguste Salmon.

Patinnen: Madeleine Saint Martin, Marie Malapert, Jeanne Remy, Marie Gabriel, Appoline Dieudonné.

Glocke „Marie-France"

1923 460 kg Ø 90 cm Ton: La

Im selben Jahr wie „Libaire" gegossen und gesegnet, unter Pfarrer Antoine Rapp.

Je m'appelle Marie-France. J'ai ete fondue en 1923 Ernest Marchal etant maire, Antoine Rapp cure de La Broque. J'ai eu pour parrains Maurice Remy, Leon Andre, Paul Fitte, Emile Bastien, et marraines: Gabrielle Remy, Adeline Sayer, Marie Heck, Amelie Fournier. Dieu benisse l'Eglise et la France, console les affliges.

Paten: Maurice Rémy, Léon André, Paul Fitte, Émile Bastien.

Patinnen: Gabrielle Rémy, Adeline Sayer, Marie Heck, Amélie Fournier.

Requisition, Trauer und Wiedergeburt der Glocken

Der Erste Weltkrieg hinterlässt bleibende Spuren am Glockenturm von Sainte-Libaire. Im Jahr 1917 ordnen die deutschen Militärbehörden die Requisition von zwei der drei Glocken an, um sie für die Kriegsbronzeproduktion einzuschmelzen. Nur die große Glocke von 1770 — vermutlich durch ihr hohes Alter und ihre Verbindung mit den Fürsten von Salm geschützt — bleibt verschont. Die beiden anderen verschwinden: die kleinste geht endgültig verloren; die zweite wird nach dem Waffenstillstand zwar wiedergefunden, befindet sich aber in einem Zustand, der einen Neuguss notwendig macht.

Nach der Befreiung des Elsass unternimmt die Pfarrgemeinde die Wiederherstellung des Geläuts. Zwei neue Glocken werden zwischen 1922 und 1923 gegossen und gesegnet: „Libaire" und „Marie-France", die sich seitdem dem alten Hauptgeläut anschließen und gemeinsam erklingen.

Zeugnisse in Bildern

Requisition der Glocken der Kirche Sainte-Libaire von La Broque im Jahr 1917
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1917

Requisition der Glocken

Während des Ersten Weltkriegs ordnen die Behörden die Abnahme und Requisition der Glocken an. Dieses fotografische Dokument zeugt von der Entnahme zweier der drei Glocken aus dem Glockenturm von Sainte-Libaire, die für die Kriegsmaterialschmelze bestimmt waren.

« Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Kein Volk wird mehr gegen ein anderes das Schwert erheben, und man wird das Kriegshandwerk nicht mehr erlernen. »
Jesaja 2, 4
Weihe der zwei neuen Glocken der Kirche Sainte-Libaire von La Broque 1922-1923
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1922–1923

Weihe der zwei neuen Glocken

Nach dem Krieg erhält die Pfarrgemeinde von La Broque zwei neue Stimmen in ihrem Glockenturm zurück. Die Segnung der Glocken „Libaire" und „Marie-France", die 1923 unter Pfarrer Antoine Rapp und Bürgermeister Ernest Marchal gegossen wurden, vereint die gesamte Gemeinschaft in einem Aufbruch des Glaubens und des Wiederaufbaus.

Ein Gemeinschaftsereignis

Jede der beiden Glocken erhält mehrere Paten und Patinnen aus den Familien der Pfarrgemeinde — die Segnung wird damit zu einem kollektiven Akt der Erinnerung und Hoffnung nach den Kriegsjahren.

Die Elektrifizierung der Glocken

Im März 1953, unter Pfarrer Lucien Friederich, nimmt die Firma A. Didelot aus Sarrebourg (Moselle) die Elektrifizierung der Glocken vor. Diese Modernisierung umfasst die Installation einer automatischen Sperrstunden-Läutung um 22 Uhr.

« Es gibt eine Zeit für alles und eine Stunde für jedes Vorhaben unter dem Himmel: eine Zeit zum Geborenwerden und eine Zeit zum Sterben… eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit, das Gepflanzte auszureißen. »
Prediger 3, 1-2