Die Orgel und ihr Gehäuse aus dem 19. Jahrhundert

Die Orgel der Kirche Sainte-Libaire besitzt eine der schönsten Geschichten im Breuschtal: Ihr Eichengehäuse von 1843, elegant und mit Akanthusblättern im Geschmack des 18. Jahrhunderts geschnitzt, hat Kriege, Wiederaufbauten und aufeinanderfolgende Restaurierungen überdauert. Es steht noch heute auf der Empore.

Zwei Orgeln haben sich in den letzten 180 Jahren in diesem Gehäuse abgelöst: die von Martin Wetzel (1843) und die von Joseph Rinckenbach (1930, Opus 197). Seit 2010 sorgt ein elektronisches Instrument für die liturgische Begleitung.

Empore und Orgel der Kirche Sainte-Libaire

Das Gehäuse

Das Gehäuse aus Eichenholz stammt aus dem Jahr 1843 und wurde von Martin Wetzel gefertigt. Mit einer Breite von 2,90 m orientiert es sich an den kleinen Callinet-Orgeln. Seine Verzierung umfasst Blumengirlanden sowie geschnitzte Jouées und Konsolen mit Akanthusblättern — ein Erbe der Ästhetik des 18. Jahrhunderts.

Als die Rinckenbach-Orgel 1929–1930 in Auftrag gegeben wurde, entschied man, das ursprüngliche Gehäuse zu erhalten und hinten einen „Verschluss" für die Pedalregister hinzuzufügen. Die Fensterkonsole hingegen wurde entfernt.

Orgelbank

Die Bank der Wetzel-Orgel blieb erhalten. Ihre Breite von 113 cm ist ein wertvoller Hinweis auf die Abmessungen des ursprünglichen Instruments.

Palissy-Inventar

Beide Orgelbauer, Martin Wetzel und Joseph Rinckenbach, werden in der Palissy-Akte genannt, die das Mobiliar der Kirche erfasst.

« Lobt ihn mit Harfe und Zither, lobt ihn mit Pauken und Tanz, lobt ihn mit Saiten und Flöten! »
Psalm 150, 3-4

Geschichte der Orgel in drei Kapiteln

Die Bestellung

Im Jahr 1843 bestellte die Pfarrei eine Orgel bei Martin Wetzel, einem in Moselle und im Elsass tätigen Orgelbauer. Das Instrument gehört zu einer Serie von sechs kleinen Orgeln der 1840er Jahre in der Region: Haut-Clocher, Langatte, Réding, Bust, Berstett und La Broque.

Technische Merkmale

1
Manualklaviatur
~10
Register auf der Lade
15 Töne
Pedal (C bis D)
3–4
Pedalregister

1869 und 1870 — Wiederaufbau nach Restaurierung

Bei den großen Arbeiten von 1869 wurden die alten Bänke und der Fußboden entfernt. Die Orgel wurde demontiert. Im Jahr 1870 bauten die Söhne von Martin Wetzel das Instrument in der wiederhergestellten Kirche wieder auf. Eine Instandsetzung im Jahr 1874 bestätigte die 10 Register auf der Lade.

1917 — Die Requisition

Im April 1917 requisitionierten die deutschen Militärbehörden die Prospektpfeifen für die Kriegsmetallschmelze. Das Instrument wurde dadurch seines wichtigsten visuellen Ausdrucks beraubt. Zur gleichen Zeit wurden auch zwei Glocken requiriert.

Die Bestellung

Nach dem Ersten Weltkrieg befand sich die Wetzel-Orgel in einem schlechten Zustand. In den Jahren 1929–1930 bestellte die Pfarrei eine neue Orgel bei Joseph Rinckenbach, Orgelbauer in Ammerschwihr (Haut-Rhin). Es handelt sich um das Opus 197 des Hauses Rinckenbach.

Das Lastenheft sah vor, möglichst viele Teile des alten Instruments im Sinne von Wirtschaftlichkeit und Respekt vor dem Kulturerbe wiederzuverwenden.

Technische Merkmale

18
Register gesamt
2
Manuale
1
Pedal
1953
Instandsetzung durch Alfred Kern

Instandsetzung von 1953

Im Jahr 1953 wurde die Orgel unter Pfarrer Lucien Friederich von Alfred Kern, Orgelbauer in Straßburg-Cronenbourg, instand gesetzt. Diese Maßnahme gehört zu den zahlreichen Projekten, die Pfarrer Friederich für die Kirche durchführen ließ.

Ende des Instruments

Trotz dieser Instandsetzung machten schwierige klimatische Bedingungen und Verschleiß das Instrument in den 2000er Jahren unspielbar. Der geschätzte Aufwand für eine Restaurierung erwies sich als zu hoch für die Pfarrei, die sich daraufhin für die Anschaffung einer elektronischen Orgel entschied.

Die Anschaffung

In Absprache mit dem Festkomitee entschied sich die Pfarrei für die Anschaffung eines elektronischen Instruments mit 2 Manualen und Pedal. Dieses wurde von Pater Claude beim Sonntagsgottesdienst gesegnet, bevor es im Juni 2010 offiziell eingeweiht wurde. (Dernières Nouvelles d'Alsace, 27. Mai 2010)

Die Einweihung

Erster Organist: Patrice Ropp. Die Kirchenchöre von La Broque und La Claquette sangen beim Gottesdienst.

Das Gehäuse ist noch da

Das schöne Eichengehäuse von Martin Wetzel (1843) steht noch immer auf der Empore und ist ein bedeutendes Schmuckelement der Kirche, auch wenn das mechanische Instrument, das es beherbergte, verschwunden ist.

Die Empore und ihr Schmuck

Die Orgelempore bietet einen Blick von oben auf das einschiffige Langhaus. Ihr geschnitztes Holzgeländer mit Rundbogenarkaden gehört zu den elegantesten Elementen des Innenraums.

Zur Empore gelangt man über eine Treppe, deren Treppenhaus durch eines der Glasfenster mit Lyrenmotiv (musikalisches Symbol) beleuchtet wird.

« Kommt, lasst uns dem Herrn zujubeln! Lasst uns dem Felsen unseres Heils zujauchzen. »
Psalm 95, 1
Empore und Orgel

Die Konsole des Opus 197

Diese Fotografien, die von der Referenzseite À la découverte de l'Orgue – Orgues d'Alsace aufbewahrt werden, dokumentieren das Rinckenbach-Instrument (1930).

Innenansicht der Konsole der Rinckenbach-Orgel, La Broque

Innenansicht der Konsole — Rinckenbach-Orgel (Opus 197, 1930)
© Eric Eisenberg / decouverte.orgue.free.fr

Die freistehende Konsole der Rinckenbach-Orgel, La Broque

Die freistehende Konsole — Rinckenbach-Orgel (Opus 197, 1930)
© Eric Eisenberg / decouverte.orgue.free.fr

Fotografische Quelle

Die Fotos der Konsole stammen von der Website decouverte.orgue.free.fr (Eric Eisenberg), einer Referenz für die Dokumentation historischer Orgeln in Frankreich und im Elsass.